Nedko Solakov -- Two Site-Specific Pieces with More Options

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The Good Guy and The Bad Guy, 2011 acrylic and black drawing ink on gilded carved lime-wood; 72 x 72 x 8 cm

Nedko Solakov
Two Site-Specific Pieces with More Options
13/05/2011 - 18/06/2011

Unter dem Titel Two Site-Specific Pieces with More Options wird in der Georg Kargl BOX erstmals eine Ausstellung eines des bekanntesten zeitgenössischen Künstlers Bulgariens präsentiert: Nedko Solakov (geb. 1957). Er studierte Wandmalerei an der Kunstakademie in Sofia und ergänzte später diese klassische Kunstausbildung mit konzeptionellen Elementen und einem Sinn für das Absurde in seinen Installationen, Bildern und Performances, die sich mit der Kunstgeschichte auseinandersetzen und mit den Erwartungen des Zuschauers spielen.

Ein erster Blick in die Ausstellung zeigt ein Ensemble von Werken, deren Präsentation eher an eine Inszenierung im Theater denken lässt. An der Hauptwand hängt ein schwerer, roter Vorhang von der Decke herab. Doch der Vorhang lässt sich nicht öffnen und verbirgt scheinbar Nichts. Er verdeckt lediglich eine hölzerne Box, die wie zufällig in der Ecke steht und halb geöffnet ist. Im Inneren befindet sich ein für den Künstler typisches, ikonenhaftes Objekt, dessen Details dem Betrachter verborgen bleiben. Die Installation wirkt geheimnisvoll und rätselhaft. Erst ein handgeschriebener Text an der Wand verrät mehr über die Werke des Künstlers, die eigens für die Ausstellung produziert worden sind.

Nedko Solakov ist ein Geschichtenerzähler par excellence. Er erzählt Geschichten mit Witz und Ironie. Dies beweist auch sein Zyklus von Zeichnungen in Tusche auf Papier kleineren Formats, die der Künstler wie so oft gerade dort zeigt, wo man sie kaum erwartet, im Bücherregal hinter der Hauptwand. Die Zeichnungen, die er in pointiert treffsicherer Weise als Behind the Corner Stories betitelt, erzählen von alltäglichen Begebenheiten und scheinen diese zugleich ins Absurde zu wenden. Da lauert ein „Mann ohne Ambitionen hinter der Ecke um eine ebensolche zu finden (und diese eventuell auch zu erwischen).“ Oder die Politiker seines Landes werden ganz einfach „hinter die Ecke“ verbannt, um ebendort „zur Hölle zu fahren“.

In seinen Erzählungen verarbeitet Solakov universelle Themen ebenso wie autobiographische Momente. Dabei erweist sich der Zusammenbruch des kommunistischen Systems Ende der 1980er Jahre als prägendes Erlebnis. Immer wieder hat Solakov sein Leben in einer sozialistischen Diktatur thematisiert, ebenso wie die Erfahrung des Systemwechsels und der dabei eben nur scheinbar erworbenen Wahlfreiheit. Seine Arbeiten zeigen, dass auch nach dem Fall des eisernen Vorhangs und dem Einzug der Demokratie westlicher Prägung beileibe nicht alles in Erfüllung ging, was man sich erträumt hatte.

Seit Nedko Solakov 1990 erstmals seine Arbeit Top Secret ausstellte, die 2007 auch auf der Dokumenta 12 zu sehen war, zählt Nedko Solakov auch international zu den zentralen Positionen der zeitgenössischen Kunst. Top Secret (Dezember 1989 – Februar 1990) besteht aus einem Fach mit Karteikarten, die die frühere Zusammenarbeit des jungen Künstlers mit der bulgarischen Geheimpolizei thematisieren, die von Solakov 1983 beendet wurde. 22 Jahre nach der Wende sind die Akten in Bulgarien nach wie vor unter Verschluss, sodass es keine öffentlichen Dokumente zur Mitarbeit von Nedko Solakov gibt. Als das Werk zuerst im Frühjahr 1990 ausgestellt wurde, auf dem Höhepunkt der politischen Wende nach jahrelanger kommunistischer Herrschaft, sorgte es für heftige kontroverse Diskussionen. Der Gestus der Selbstentblößung in diesem künstlerischen Projekt ist immer noch einmalig im Kontext des europäischen Postkommunismus. Mittlerweile ist Top Secret zu einem Symbol seiner Zeit geworden. (1)

Im Wechselspiel zwischen Ernst und Humor, Einfachheit und Komplexität, verbirgt sich der Reiz von Nedko Solakovs Werken. Der Künstler selbst kennt übrigens lediglich zwei große Kategorien von Werken, nämlich „einfache Werke“ und „komplizierte Werke“. Dabei sind gerade die „einfachen Werke“ alles andere als „einfach“ und der hintergründige Witz erschließt sich meist erst auf den zweiten Blick.

 

 

Text: Karin Dornbach

 (1) Text entnommen aus: Nedko Solakov – Emotions, Kunstmuseum Bonn, Kunstmuseum St. Gallen, Mathildenhöhe Darmstadt, Ausst. Kat., 2008, S. 200

 

 

Seit Beginn der 1990er hatte Nedko Solakov (geboren 1957, Tcherven Briag, Bulgarien; lebt in Sofia) zahlreiche Ausstellungen in Europa und in den Vereinigten Staaten. Sein Werk wurde präsentiert in Aperto’93 (Venedig Biennale); der 48., 49., 50. und 52. Venedig Biennale; der 3., 4. und 9. Istanbul Biennale; São Paulo’94; Manifesta 1, Rotterdam; der 2. und 4. Gwangju Biennale; der 5. Lyon Biennale, Sonsbeek 9, Arnhem, der 4. und 5. Cetinje Biennale, der 1. Lodz Biennale; der 7. Sharjah Biennale, Vereinigte Arab. Emirate; der 3. Tirana Biennale; der 2. Seville Biennale; der 2. Moscow Biennale; documenta 12; 16. Sydney Biennale und Prospect 1, New Orleans Biennale. Kürzlich hatte er eine Ausstellung im Museu do Chiado, Lissabon; Stichting De Appel, Amsterdam; CCA Kitakyushu, Japan; Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid; The Israel Museum, Jerusalem; Centre d’Art Santa Monica, Barcelona; Kunsthaus Zurich; Castello di Rivoli, Rivoli; Sofia City Art Gallery und Galleria Borghese, Rom. 2003-2005 wurde die Ausstellung "A 12 1/3 (and even more) Year Survey" im Casino Luxembourg, Rooseum Malmoe und O.K Centrum Linz, 2008-2009 die “Emotions”-Einzelausstellung im Kunstmuseum Bonn, Kunstmuseum St. Gallen und am Institut Mathildenhöhe, Darmstadt. Zu seinen kommenden Projekten gehören Einzelausstellungen in der Ikon Gallery, Birmingham; Fondazione Galleria Civica Trento; S.M.A.K., Gent and Fundação de Serralves, Porto.

www.nedkosolakov.net