Vadim Fishkin -- Moving Star

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Vadim Fishkin
Moving Star
30/03/2007 - 26/05/2007

Der russische Künstler Vadim Fishkin erforscht in Fotografien, Zeichnungen, Lichtprojektionen, Sound oder interaktiven Installationen die Relation von Wissenschaft und Kunst und die Bedingtheit und Abhängigkeit von Kategorien des Öffentlichen und Privaten, von Außen- und Innenraum im Verhältnis zu unserer Wahrnehmung.

Seine künstlerischen Anfänge liegen im Moskau der späten 1980er Jahre, wo er Mitglied der Gruppe "World Champions" war. Fishkins Interesse an den geistigen Wurzeln der russischen Avantgarde verbindet ihn sowohl mit der Kunstszene Moskaus als auch Sloweniens, die sich mit den Begriffen Utopie, Kosmogenie und Aeronautik auseinandersetzten.

Viele von Vadim Fishkins künstlerischen Interventionen simulieren naturwissenschaftliche Phänomene und versuchen individuell nicht beinflussbare und teilweise außerhalb unserer gewohnten, alltäglichen Anschauung liegende Vorgänge der Natur zu ergründen, sie messbar und darstellbar und schließlich beherrschbar zu machen. Kosmische Vorgänge werden in den überschaubaren, institutionalisierten Rahmen des Ausstellungsraumes rückgebunden und somit zur menschlich erfassbaren Kategorie.

Seine Installation Choose your Day machte die BetracherInnen etwa zu Regenten über meterologische Erscheinungen, indem sich die durch Sound, Licht und Videoprojektionen nachgeahmte Wetterbedingungen bequem von Sofa aus steuern ließen. 1997 realisierte Fishkin am Dach der Secession eine Lichtinstallation die mit seinem Herzschlag verbunden war und direkt auf alle Veränderungen seiner Pulsfrequenz reagierte. Das Interesse an der Auflösung der Dichotomie von Kunst und Wissenschaft und der Zusammenführung gewöhnlich unvereinbar erscheinende Sphären beschäftigt eine Reihe von zeitgenössischen KünstlerInnen verstärkt in den letzten Jahren. Man denke an Olafur Eliassons Weather Project (2004), indem er den Außenraumbedingungen der Tate Modern durch die künstliche Nachahmung von Himmel und Sonne in die Turbinenhalle transferierte. 2006 montierte Ecke Bonk auf das Dach des ZKM ein computergesteuertes Rotationslicht, das einmal pro Stunde seine Geschwindigkeit änderte und Wetterdaten sowie nautische Signale sendete, wobei im Ausstellungsraum ein Display integriert war, das die Rotationsgeschwindigkeit und die Signalcodes grafisch darstellte.

Für seine Ausstellung in der Georg Kargl BOX hat der 1964 in Penza (RUS) geborene Künstler eine kinetische, interaktive Installation entwickelt, die den Ausstellungsbesucher direkt in die Installation einbezieht. Von der Decke des Raumes hängen durch Kabel miteinander verbundene Gegenstände wie Haarföhne und Glühbirnen, die durch Betätigen eines Schalters in Schwingung versetzt werden, wobei der Rückstoss der Föhne die aufleuchtenden Lampen nach vorne treibt. Von außen zeichnet sich auf der mit Verdunkelungsfolie beklebten Fensterscheibe ein abstraktes Muster von sich bewegenden Lichtobjekten ab, die – bezieht man auch in Ausstellungstitel Moving Star in seine Überlegungen ein – an Sternschnuppen erinnern könnten.

Der Lauf der Gestirne wird gleichsam zur menschlich dominierbarer und manipulierbaren Kategorie. Der Rezipient mag in Anbetracht der rational nicht fassbaren, übermächtig erscheinenden Gesetzmäßigkeiten der Natur eine ohnmächtige Unterlegenheit empfinden. Mit dem ästhetischen Erleben – kosmische Phänomene zwar tatsächlich nicht beeinflussbar aber dennoch visuell wahrnehmbar machen zu können – stellt sich zeitgleich eine „innere Erhebung“ des vernunftbegabten Menschen über eine äußere, unbekannte Größe ein. Auf einen Moment der Ratlosigkeit folgt mit dem Betreten des Ausstellungsraums ein Moment der forschenden Neugier, dem Ereignis auf die Spur zu kommen und die Aufmerksamkeit auf den eigenen Wahrnehmungsvorgang zu lenken.

Kurator: Fiona Liewehr